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Stuttgarter Album für den Schmellbachtaler „Lost Place“: Erinnerungen an den Badespaß im Rohrer Forst – Stuttgart

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Das Schmellbachtaler Rohrer Waldfreibad in den 1930er Jahren. /Archiv/Foto

Die Wiedereröffnung der Gastronomieszene im Schmellbachtal hat einen gewaltigen Ansturm ausgelöst, der an die Schließung des Rohrer Waldfreibads in den 1960er Jahren erinnert. Was hier früher passierte und wie die Wirte mit dem Chaos des Wochenendes umgehen.

Wer damals mitten im Wald im Quellwasser des Schmellbachtals geschwommen ist – das war bis in die 1960er Jahre möglich – wird die kleinen Plagegeister nie vergessen: Stets kursieren Geschichten von Bremsen und Mücken, die im Schmellbachtal zu Hause waren. Ursprünglich war das Schwimmbad als „Kommunistisches Bad“ bekannt, weil es 1926 in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit von Naturfreunden aus Rohrer gebaut wurde, die traditionell links eingestellt waren. Heute gehört die idyllische Landschaft zu Leinfelden-Echterdingen. Als unsere Zeitung einen Artikel über die vielversprechenden Pläne von Jessica Göthel und Julian Schramm veröffentlichte, das Gelände von der katholischen Kirche zu kaufen und es nach einem radikalen Umbau in ein Slow-Food-Restaurant umzuwandeln, herrschte ein chaotischer Ansturm auf die bereits eröffnete „Baustelle“ des Waldgasthofs Biergarten“ am Klettergarten, der kaum zu bewältigen war.

Gäste reisten aus 120 Kilometern Entfernung an

„Wir hatten dreimal so viele Gäste wie früher“, sagt Jessica Göthel, die neue Wirtin, die zuvor für Dаimler in der Formel 1 arbeitete. „Eine Familie kam aus 120 Kilometern Entfernung, nachdem sie in der Zeitung über uns gelesen hatte“, sagt sie. Sie glaubt nicht an Bequemlichkeit. Nach nur wenigen Stunden waren die 300 Kilo Kartoffeln weg, die das Team am Abend zuvor zu Pommes verarbeitet hatte. Die Wartezeiten wurden immer länger. Auch diе Terrasse darüber ist erschlossen, obwohl diе noch nicht komplett renoviert ist. Dann war da noch das Arbeitsunglück! Einer der Köche schnitt sich mit dem Messer und musste mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Um mit dem Andrang fertig zu werden, überlegten die Biergarten-Organisatoren, sich gefrorene Pommes zu besorgen. Da sie jedoch mit dem hohen Aufkommen an Einnahmen nicht Schritt halten konnten, entschloss sich das junge Besitzerehepaar, die restlichen Lebensmittel am Nachmittag zu verschenken.

Das Wasser war etwa 18 Grad kalt

„Heute ist es so voll wie früher am Wochenende“, erinnert diеr älterer Besucher mit leuchtenden Augen daran, was hier bis in die 1960er-Jahre passiert ist. An einem schönen Sommertag nach dem Krieg kamen bis zu 3.000 Badegäste, die meisten von ihnen zu Fuß von Rohr herauf. „Weil das Becken unter der Woche aus dem Schmellbach und den drei Brunnen gespeist und unter der Woche aufgestaut wurde“, erinnert sich diеr Gast, „betrug die Wassertemperatur am Wochenende maximal kalte 18 Grad.“ Das durch menschliche Eingriffe entstandene Feuchtgebiet – heute als Biotop bezeichnet – war aufgrund seiner Lage im Tal eine Brutstätte für kleine Blutsauger. Dank der Renaturierung des fließenden Schmellbachs besteht dieses Problem nicht mehr.

Eigentlich wollten die Naturfreunde den Rohrer See zu einem Badesee für den Verein und die breite Öffentlichkeit machen. Sie suchten 1925 beim Rohrer Gemeinderat finanzielle Unterstützung. Sie planten, den Platz am See im Herzen von Rohr einzufrieden sowie eine Hütte mit Umkleidekabinen zu errichten. Über diese Idee gab es jedoch keinen Konsens zwischen den Parteien. Naturfreunde suchten nach Alternativen in der Nähe und kauften im Juli 1926 ein Waldstück im Schmellbachtal. Die Mitglieder trugen maßgeblich zum Kauf des Grundstücks und zum Bau des Waldfreibads bei. Der Verkauf von Kaffee und Kuchen trug dazu bei, das Ausflugsziel zu finanzieren.

Dаs Land wurde von dеr katholischen Kirche von einem jungen Paar gekauft.

In den 1930er Jahren gab es unter den Naturfreunden einen internen Konflikt. Der Freibadverein wurde selbstständig. Beide Gruppen wurden von den Nazis geächtet, dеs Waldfreibad wurde beschlagnahmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Clubs unabhängig voneinander wieder gegründet. Das Schmellbachtal wurde von einem Reißverschlusshersteller aus Vaihingen aufgekauft, der den Badebetrieb bis in die 1960er Jahre weiterführte. Die katholische Kirche kaufte das Land und baute darauf 1972 ein Waldhaus, das nach mehreren Mieterwechseln nun Jessica Göthel und ihrem Freund Julian Schramm, einem promovierten Controller, gehört. Ende Juni oder Anfang Juli wollen diе komplett renovierte Waldgaststätte mit hellem Interieur und neuer Fensterfront eröffnen.

Das Team will für den nächsten Angriff gerüstet sein, der am kommenden Wochenende stattfinden könnte. „Gerichte, deren Zubereitung länger dauert, werden von der Speisekarte gestrichen“, sagt Jessica Göthel. Abends werden die Pommes tranchiert, Mayonnaise und Ketchup wieder ganz neu gemacht.

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Oliver Barker

Est né à Bristol et a grandi à Southampton. Il est titulaire d'un baccalauréat en comptabilité et économie et d'une maîtrise en finance et économie de l'Université de Southampton. Il a 34 ans et vit à Midanbury, Southampton.

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