Trend

Britische Autoproduktion auf dem Niveau von 1956: Chipknappheit und Lockdown

Stand: 27.01.2022 10:23 Uhr

2021 wird die britische Autoindustrie weniger Fahrzeuge produziert haben als in den 65 Jahren zuvor. Auch eine Werksschließung bereitet der Branche neben dem Mangel an Chips und den Folgen der Pandemie Probleme.

Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der im Vereinigten Königreich hergestellten Autos den niedrigsten Stand seit 1956. Im Jahr 2021 wurden im Vereinigten Königreich laut Branchenverband SMMT nur 859.575 Fahrzeuge produziert. Gegenüber dem ersten Corona-Jahr 2020 waren dies noch einmal 6,7 Prozent weniger. Im Dezember lag die Produktion 12,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Mike Hawes, Vorstandsvorsitzender der Confederation of British Motor Vehicle Manufacturers and Dealers (SMMT), sagte: „2021 war ein weiteres unglaublich schwieriges Jahr für die britische Automobilherstellung – eines der schlimmsten seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Letztes Jahr sah sich die Branche zahlreichen Herausforderungen gegenüber, darunter ein weltweiter Chip-Mangel und ein Mangel an Halbleitern. Weil wichtige Vorprodukte fehlten, mussten Fabriken die Produktion drosseln oder gar einstellen. Im Falle einer Corona-Infektion fehlte es auch an Arbeitskräften, die sich selbst isolieren mussten. Autohäuser waren 2021 wegen strenger Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen lange geschlossen.

Fabrikschließung verursacht Einbruch

Es gibt Gründe für das „erbärmliche Jahr“, wie es die SMMT ausdrückte, auch wenn die Corona-Pandemie nicht dazu gehört. Ein Viertel des Rückgangs ist auf die Schließung des Honda-Werks in Swindon westlich von London zurückzuführen. Letzten Sommer wurde die Fabrik geschlossen. Nachdem Großbritannien 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hatte und sich die EU und Japan 2017 auf zollfreie Autoimporte geeinigt hatten, kam das Ende.

Die britische Wirtschaft hingegen hat sich größtenteils von der Corona-Krise erholt, wobei diе im November wieder auf das Niveau vor der Pandemie zurückgekehrt ist.

Optimismus in der Branche

Der Branchenverband blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Die Investitionen im Jahr 2021 waren mit 4,9 Milliarden Pfund deutlich höher als in den Vorjahren. Das Handelsabkommen mit der EU nach dem Brexit werde trotz einiger neuer bürokratischer Hürden für Entlastung sorgen, sagte Verbandschef Hawes. Er war auch zuversichtlich, dass die Chipknappheit bald behoben sein würde. Es wird erwartet, dass 2022 wieder mehr als eine Million Fahrzeuge in Großbritannien produziert werden.

Mehr als ein Viertel der 2021 zugelassenen Autos hatte einen alternativen Antrieb, und jedes zwölfte Fahrzeug war laut britischer Industrie rein batteriebetrieben. Es ist eine Steigerung von 72 Prozent. Ab 2030 will die britische Regierung den Verkauf neuer Verbrennungsmotoren verbieten. Hohe und steigende Energiepreise hingegen bleiben laut Hawes eine Bedrohung.

Oliver Barker

Wurde in Bristol geboren und wuchs in Southampton auf. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Rechnungswesen und Wirtschaftswissenschaften und einen Master-Abschluss in Finanzen und Wirtschaftswissenschaften der University of Southampton. Er ist 34 und lebt in Midanbury, Southampton.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"